Sibylle Birkhauser-Oeri
Sibylle Birkhäuser-Oeri
Steckbrief
Kindheit und Jugend
Sibylle Birkhäuser-Oeri (1914–1971) kam 1914 als viertes von sechs Kindern von Albert Oeri und Hanna Preiswerk in Riehen bei Basel zur Welt. Sibylle war eine stille, ausgesprochen eigenständige, kreative Persönlichkeit. Die akademische Welt und Laufbahn zogen sie weniger an, und so wurde sie in jungen Jahren Schneiderin, ausgebildet in Basel und Paris. In jener Zeit überschattete eine schwere Blutkrankheit ihr Leben, was ihren sehr ernsthaften Charakter und ihre Beziehung zu ihrem Verlobten, dem Künstler und Grafiker Peter Birkhäuser, prägte.
Ehe und Familie
Nach der Heirat 1939 und der Geburt zweier Kinder – bewusst erst nach Ende des Zweiten Weltkrieges auf die Welt gebracht – entfaltete Sibylle Birkhäuser-Oeri ihren geistigen Drang in tiefenpsychologischen Studien am C. G. Jung-Institut (Küsnacht, Schweiz) und in ihrer Analyse bei Marie-Louise von Franz, Schülerin und Mitarbeiterin von C. G. Jung. Sibylle Birkhäuser-Oeri war, wie ihr Mann, ein Mensch, der sich – unbefriedigt vom Zeitgeist und gedrängt durch ihre Träume – auf die Suche nach Sinn begab, den sie nicht in der Tradition finden konnte. Anfang der 1940er-Jahre war sie es, die neben ihren eigenen auch die Träume ihres Mannes aufzuschreiben begann und die als Erste den Schritt in eine Analyse wagte – was damals unkonventionell war. C. G. Jungs Geisteswelt war ihr bereits durch ihren Vater Albert Oeri bekannt, den seit seiner Jugend eine Freundschaft mit dem bekannten Psychiater verband.
Werk
Ab zirka 1960 war Sibylle Birkhäuser-Oeri als Analytikerin mit eigener Praxis tätig und prägte die Psychologische Gesellschaft Basel mit. Ihr grosses Interesse galt in erster Linie den Märchen und besonders den Muttergestalten und Hexen. In stiller Arbeit – neben Haushalt und Praxis und währendem sie ihren Mann in seiner Malerei ermutigte – schrieb und hielt sie Vorträge und Vorlesungen zum Thema des Mutterarchetyps und dessen Wirkung auf das Individuum und die Gesellschaft. Daraus entstand ihr Buch «Die Mutter im Märchen» (Erstausgabe 1976), eine Sammlung von Deutungen bekannter Märchen. Es bietet Sibylles tiefe Einsichten in die Bedingtheit des Menschen durch die seelischen Mächte, die Archetypen, und über das Wissen über den Umgang mit diesen. Das Buch stösst bis heute auf weltweites grosses Interesse und wurde bisher in rund zehn Sprachen übersetzt.
Letzte Jahre
Sibylle Birkhäuser-Oeri starb überraschend mit 57 Jahren in Binningen (Basel-Landschaft).

